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„Prinzip Kostenlos“ – Wissen verschenken und zahlende Kunden gewinnen
Rezension und Verlosung des neuen Buchs von Dr. Kerstin Hoffmann
Der ein oder andere unserer Leser wird sicherlich schon einmal über den „PR Doktor“ im Internet gestolpert sein. Unter dieser Marke kommuniziert die studierte Germanistin, Journalistin und Beraterin Dr. Kerstin Hoffmann Ihre Angebote im Internet. Mit „Prinzip Kostenlos“ legt sie nun ganz analog ein auf Papier gedrucktes Buch vor, das Wissensarbeiter wie wissensbasierte Unternehmen anregen soll, ihr Wissen kostenlos zu teilen, um so neue und zahlungskräftige Kunden zu gewinnen. Auf insgesamt 248 Seiten breitet die Autorin einen umfangreichen Strategie-Guide aus, der von der Zielgruppenanalyse über die Strategieentwicklung bis zur konkreten Implementierung der Maßnahmen reicht. Aufgelockert wird das Buch durch Interviews mit bekannten „Wissens-Größen“ wie u.a. Professor Gunter Dueck, Kathrin Passig, Nicole Simon oder den auch als SMA-Dozenten tätigen PR-Experten Klaus Eck und Mirko Lange.
Die Wissenstrategie
Hoffmann nennt ihr Konzept selbst griffig „Wissensstrategie“. Hiernach erfolgt zunächst eine Positionierung als Experte oder Expertin auf dem Gebiet, auf dem langfristig auch zahlende Kunden gewonnen werden sollen. Diese „Gratiskultur“ ist dabei absolut kein Phänomen des Internetzeitalters, wie beispielsweise die altbekannten Probefahrten beim Auto-Händler zeigen. Online zählt Google definitiv zu den Vorreitern dieser Strategie, die den allergrößten Teil ihres umfangreichen Leistungsangebots (Google Mail, Maps, Drive…) kostenlos weitergeben. Bei wissensintensiven Angeboten und Dienstleistungen wird nun folgerichtig Wissen als „Gratisprobe“ abgegeben – der Anbieter teilt das Wissen, um das eigene Können besser zu verkaufen. Diesen zentralen Unterschied betont die Autorin immer wieder: Wissen ist ungleich Know How – auch wenn ein Kunde das Wissen des Dienstleisters vollständig nachlesen kann, so befähigt dies nicht automatisch zur professionellen Anwendung.
Hierbei stellt Hoffmann klar, dass das geteilte Wissen auch einen tatsächlichen Mehrwert für die Wissens-Konsumenten haben muss. Ein Blogbeitrag oder Zeitungsartikel, eine Präsentation oder auch ein Video müssen dem Empfänger echten Nutzen bringen, ohne dass eine kostenpflichtige „Freischaltung“ der eigentlichen Inhalte notwendig ist. Der Wissens-Konsument muss mit der gegebenen Information so wie sie ist etwas anfangen können, auch wenn er niemals einen Auftrag erteilt. Es geht eben nicht darum, Geld mit dem geteilten Wissen zu verdienen – das ist erst der zweite Schritt! Zur Wissensverbreitung beschreibt die Autorin verschiedene Typen von Multiplikatoren und Influencern und gibt Tipps, wie diese am besten für die eigene Sache aktiviert werden können. Dabei betont sie sehr sympathisch immer wieder die menschliche Seite des Netzwerkens und warnt vor vielen schlechten Praktiken, die ein Netzwerk nur im Sinne des eigenen Vorteils nutzen wollen.
Das Buch
Das Buch selbst ist sehr gut lesbar und verständlich geschrieben. Fachbegriffe werden nur benutzt, wenn es notwendig ist sowie durch Fußnoten auf der selben Seite unmittelbar erklärt. Eine Zusammenfassung des Kommenden wie des bisher Gelernten am Anfang jedes Kapitels getreu dem Motto „Sag, was Du sagen willst; Sag es; Wiederhole, was Du gesagt hast“ bringt auch beim späteren Nachschlagen oder beim Lesen nur einiger Kapitel jederzeit die benötigte Übersicht. Praxisnahe Checkboxen, die bei der Entwicklung der eigenen Strategie und Positionierung weiterhelfen, überführen das vorgestellte Wissen in den eigenen Arbeitsbereich. Die Checklisten sind eine sehr gute Hilfe und können auch mal sehr detailliert sein, wie beispielsweise bei einer 10-Punkte-Liste zur Namensfindung für den eigenen Blog. Ein umfangreiches Glossar und Begriffslexikon auf den letzten Seiten runden das Buch ab.
Geschrieben ist „Prinzip Kostenlos“ dabei klar für einzeln tätige Freiberufler oder kleinere bis mittelgroße Agenturen, die Skalierbarkeit auf größere Unternehmungen und Einrichtungen wird zwar regelmäßig, aber stets eher kurz angeschnitten. Dr. Hoffmann gibt vor allem das weiter, was sie selbst nutzt und womit sie gute Erfahrungen in der eigenen Arbeit gemacht hat. Sie empfiehlt die Einrichtung einer eigenen „Wissenszentrale“ im Web als zentraler Schnittstelle für die Auftritte und Präsenzen auf anderen Webseiten, Präsentationsplattformen und Social Media Angeboten. In Ihrem Fall handelt es sich um das kostenlose Content Management System „WordPress“, das auch den Unterbau für diese Website bildet.
Das Buch bleibt aber beim Online-Bereich nicht stehen, sondern gibt konkrete Tipps, wie eine „Wissensstrategie“ auch offline aussehen könnte. Kostenlose (virtuelle) Sprechstunden, Vorträge und Präsentationen (zunächst ohne Honorare) bei Kongressen und Veranstaltungen, die Teilnahme an Fachtagungen, Unternehmer- und Branchentreffs sowie die Vernetzung mit themenaffinen Interessensgruppen zählen dazu. Wichtig ist natürlich die Weiterverwertung in eigener Sache, also die Veranstaltung auf den eigenen on- und offline Kanälen anzukündigen, live oder zeitnah davon zu berichten sowie in einer Rückschau ein fachliches Fazit zu liefern und auf die nächsten öffentlichen Auftritte hinzuweisen.
Fazit
Prinzip Kostenlos ist ein sehr gutes Buch, um in Zeiten des Web 2.0 mit anwendbaren Mitteln Aufmerksamkeit für das eigene Angebot zu wecken – vorausgesetzt natürlich man hat die passenden interessanten Inhalte zu bieten. Es ist dabei für eher wenig erfahrene Online-Netzwerker geeignet, die jetzt den Schritt ins soziale Netz wagen wollen. Die gute Strukturierung und Praxisnähe hilft bei der Umsetzung der angebotenen Strategien. Auch für erfahrene Netzwerker bietet Hoffmann noch neue Inhalte und hilft, den eigenen Ansatz zu durchdenken, zu strukturieren und seine Ziele genauer zu definieren. Mir persönlich hat ein Leitsatz aus dem Buch sehr gefallen, der unter dem Motto „Persönlich, aber nicht Privat!“ die Frage behandelt, wie sehr man die eigene Person in der Wissenstrategie offenbaren möchte (oder eben nicht). Insgesamt eine klare Kaufempfehlung!
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